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Warum dieses Thema immer wieder in meiner Praxis landet

 

In den letzten Jahren werde ich als Arzt immer häufiger mit einer sehr ähnlichen Frage konfrontiert.

 

Nicht selten kommt sie von Menschen, die sich intensiv mit Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit beschäftigen.

Menschen, die viel gelesen haben.

Die experimentierfreudig sind.

Und die spüren, dass klassische Medizin auf manche ihrer Fragen keine schnellen Antworten liefert.

 

Die Frage lautet meist nicht direkt, aber sie schwingt immer mit:

 

„Was halten Sie eigentlich von Peptiden?“

 

Manchmal geht es um Regeneration.

Manchmal um Entzündung.

Manchmal um „Longevity“.

Oft um die Hoffnung, Prozesse gezielt beeinflussen zu können, die sich sonst nur langsam verändern.

 

Ich schreibe diesen Artikel nicht, weil ich Peptide therapeutisch einsetze.

Das tue ich nicht.

 

Ich schreibe ihn, weil das Thema längst da ist.

Weil viele Menschen sich im rechtlichen und medizinischen Graubereich bewegen.

Und weil Aufklärung – gerade bei komplexen, noch unvollständig erforschten Substanzen – sinnvoller ist als Schweigen oder Mythen.

Was Peptide eigentlich sind – ohne Hype, ohne Heilsversprechen

 

Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren.

Biochemisch betrachtet liegen sie zwischen einzelnen Aminosäuren und vollständigen Proteinen.

 

Der menschliche Körper produziert selbst eine Vielzahl an Peptiden.

Sie wirken unter anderem als:

  • Signalstoffe
  • Modulatoren von Entzündungsprozessen
  • Vermittler zwischen Zellen
  • Regulatoren bestimmter biologischer Abläufe

 

Wichtig dabei ist:

 

👉 Peptide sind keine Medikamente im klassischen Sinne.

👉 Sie sind keine Hormone.

👉 Und sie sind keine Nahrungsergänzungsmittel.

 

Ihre Wirkung – sofern vorhanden – ist hoch kontextabhängig.

Sie entfaltet sich nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Stoffwechsel, Immunsystem, Nervensystem und dem allgemeinen Gesundheitszustand.

 

Genau das macht sie wissenschaftlich interessant.

Und gleichzeitig medizinisch anspruchsvoll.

Warum Peptide im Longevity- und Biohacking-Bereich so viel Aufmerksamkeit bekommen

 

Der große Treiber hinter dem aktuellen Interesse an Peptiden ist die Forschung.

 

Vor allem präklinische Studien und Tiermodelle zeigen bei bestimmten Peptiden Effekte, die aufhorchen lassen:

  • verbesserte Geweberegeneration
  • veränderte Entzündungsmarker
  • Modulation von Zellstress
  • Einfluss auf Alterungsprozesse in Modellorganismen

 

Diese Daten sind spannend.

Aber sie haben eine klare Grenze.

 

👉 Tiermodelle sind keine Menschen.

👉 Zellkultur ist kein Organismus.

👉 Kurzzeitbeobachtung ist keine Langzeitsicherheit.

 

Trotzdem entsteht aus diesen Ergebnissen ein starkes Narrativ:

„Wenn das so gut funktioniert – warum nutzt das niemand medizinisch?“

 

Diese Lücke zwischen Hoffnung und klinischer Realität ist genau der Raum, in dem viele Biohacker beginnen zu experimentieren.

Der rechtliche und medizinische Rahmen – kurz und sachlich

 

Viele der derzeit diskutierten Peptide sind:

  • nicht als Arzneimittel zugelassen
  • nicht für die Anwendung am Menschen freigegeben
  • rechtlich je nach Substanz im Graubereich

 

Das bedeutet nicht, dass Forschung dazu „verboten“ wäre.

Aber es bedeutet, dass klinische Anwendung außerhalb von Studien nicht dem medizinischen Standard entspricht.

 

Ich beschreibe diese Substanzen hier nicht, um sie zu empfehlen.

Sondern um den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand einzuordnen, weil viele Menschen bereits damit konfrontiert sind.

Ein zentraler Gedanke, der mir wichtig ist

 

Nach Jahren der Beschäftigung mit Longevity, Stoffwechselmedizin und funktioneller Medizin hat sich für mich ein Muster klar herauskristallisiert:

 

Je größer die Sehnsucht nach Abkürzungen,

desto instabiler ist oft die Basis.

 

Peptide können – wenn überhaupt – kein Fundament ersetzen.

 

Sie ersetzen nicht:

  • Schlaf
  • Bewegung
  • Ernährung
  • psychische Stabilität
  • soziale Einbettung

 

Wenn diese Grundlagen fehlen, werden Peptide oft aus einem Mangel heraus gesucht.

Nicht aus Stabilität.

 

Und genau das ist aus medizinischer Sicht problematisch.

 

Peptide zwischen Hoffnung, Wissenschaft und Realität

 

Peptide gehören aktuell zu den meistdiskutierten Substanzen im Longevity-, Regenerations- und Biohacking-Umfeld.

Nicht, weil sie neu wären – sondern weil moderne Forschung beginnt zu verstehen, wie gezielt kurze Aminosäuresequenzen biologische Prozesse modulieren können, ohne ganze hormonelle Achsen zu manipulieren.

 

Viele der aktuell kursierenden Peptide stammen nicht aus Lifestyle-Trends, sondern aus:

  • Entzündungsforschung
  • Immunologie
  • Regenerations- und Wundheilungsmodellen
  • Neurobiologie

 

Der wissenschaftliche Stand ist dabei klar zweigeteilt:

  • Sehr starke präklinische Daten (Tier & Zellmodelle)
  • Sehr unterschiedliche Human-Evidenz – von gut belegt bis noch offen

 

Genau diese Differenzierung fehlt in der öffentlichen Diskussion.

Und genau hier setzen wir jetzt an.

BPC-157

 

Regeneration, Gefäßschutz und Gewebeheilung

 

Wofür BPC-157 bekannt ist

 

BPC-157 („Body Protection Compound“) ist ein Peptidfragment aus dem menschlichen Magensaft.

Es wird seit Jahren in der Forschung als systemischer Gewebeschutz-Modulator untersucht – insbesondere in Modellen für:

  • Sehnen- und Bandverletzungen
  • Muskel- und Nervenregeneration
  • Gefäßschutz
  • Entzündungsbedingte Gewebeschäden

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Sehnen-, Muskel- und Bandheilung (Tiermodelle)

In mehreren Tierstudien zeigte sich, dass BPC-157:

  • die Reorganisation von Kollagenfasern beschleunigte
  • die mechanische Belastbarkeit von verletztem Gewebe deutlich erhöhte
  • die funktionelle Wiederherstellung nach Sehnen- und Muskelrissen verbesserte

 

In Sehnenmodellen wurde eine schnellere Rückkehr zur Belastbarkeit beobachtet als in Kontrollgruppen.

 

Neuroregeneration

In Tiermodellen mit Nervenschädigungen zeigte sich:

  • eine verbesserte funktionelle Erholung
  • reduzierte sekundäre Gewebeschäden
  • günstigere Reorganisation neuronaler Strukturen

 

Gefäß- und Entzündungsmodelle

BPC-157 beeinflusste:

  • Stickstoffmonoxid-abhängige Gefäßregulation
  • Endothelfunktion
  • entzündungsbedingte Mikrozirkulationsstörungen

 

In einigen Modellen führte das zu:

  • besserer Durchblutung im verletzten Areal
  • weniger sekundärer Nekrose

Was das für den Menschen bedeuten 

könnte

 

Wenn sich diese Effekte in gut gemachten Humanstudien bestätigen würden, könnte BPC-157 perspektivisch relevant sein für:

  • beschleunigte Regeneration nach Verletzungen
  • Unterstützung von Heilungsprozessen bei Sehnen- und Bindegewebsschäden
  • Reduktion sekundärer Gewebeschäden nach Trauma

 

👉 Wichtig:

Bislang gibt es keine randomisierten klinischen Studien, die diese Effekte beim Menschen belegen.

Status beim Menschen

  • ✔️ Bestandteil endogener Schutzmechanismen
  • ✔️ In präklinischen Modellen sehr gut untersucht
  • ⚠️ Human-Wirksamkeit nicht belegt
  • ❌ Nicht als Arzneimittel zugelassen

 

Saubere wissenschaftliche Einordnung:

 

BPC-157 gehört zu den am besten untersuchten regenerativen Peptiden im Tiermodell. Beim Menschen ist es bislang als biologisch plausibel und sicherheitsnah beschrieben, jedoch nicht als wirksam im Sinne moderner klinischer Studien belegt.

Thymosin Alpha-1 (TA-1)

 

Immunmodulation mit echter Human-Evidenz

 

Wofür TA-1 bekannt ist

 

Thymosin Alpha-1 ist ein körpereigenes Peptid aus dem Thymus und spielt eine zentrale Rolle in der Reifung und Regulation des Immunsystems.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Peptiden existiert für TA-1:

  • jahrzehntelange klinische Anwendung
  • Humanstudien mit harten Endpunkten

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Sepsis & schwere Infektionen (Humanstudien)

In einer Meta-Analyse mit 1.480 Patient:innen zeigte sich unter TA-1:

  • eine Reduktion der Mortalität um ca. 32 %
  • verbesserte Immunparameter
  • geringere Dysregulation der Entzündungsantwort

 

COVID-19 (Humanstudien)

In klinischen Studien wurde beobachtet:

  • Anstieg von CD4+ und CD8+ T-Zellen
  • Abschwächung des Zytokinsturms
  • bessere immunologische Erholung bei schweren Verläufen

 

Immunrekonstitution

TA-1 förderte:

  • T-Zell-Reifung
  • Antigenpräsentation
  • Balance zwischen pro- und anti-entzündlichen Signalwegen

Was das für den Menschen bedeuten 

könnte

 

Basierend auf vorhandenen Daten kann TA-1:

  • bei Immundysregulation unterstützend wirken
  • überschießende Entzündungsreaktionen modulieren
  • die Immunantwort strukturieren, statt sie pauschal zu unterdrücken

Status beim Menschen

  • ✔️ Humanstudien mit klinischen Endpunkten
  • ✔️ In mehreren Ländern zugelassen
  • ✔️ Sehr gutes Sicherheitsprofil
  • ✔️ Kein klassisches Biohacker-Peptid, sondern medizinisch etabliert

 

Saubere Einordnung:

 

Thymosin Alpha-1 ist eines der wenigen Peptide mit belastbarer klinischer Human-Evidenz und langjähriger Anwendung als Immunmodulator.

KPV (α-MSH-Fragment 11–13)

 

Entzündungsmodulation auf zellulärer Ebene

 

Wofür KPV bekannt ist

 

KPV ist ein kurzes Peptidfragment des Melanocortin-Systems und gilt als minimal wirksamer anti-entzündlicher Kern von α-MSH.

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Entzündungsmodelle

In präklinischen Studien zeigte KPV:

  • signifikante Hemmung von NF-κB
  • Reduktion von TNF-α
  • Abschwächung zentraler Entzündungsmediatoren

 

Diese Effekte wurden konsistent in:

  • Darm-Entzündungsmodellen
  • Haut-Entzündungsmodellen
  • neuroinflammatorischen Settings

Was das für den Menschen bedeuten 

könnte

 

Wenn sich diese Mechanismen klinisch bestätigen, könnte KPV perspektivisch relevant sein für:

  • entzündliche Darmerkrankungen
  • entzündliche Hauterkrankungen
  • neuroinflammatorische Prozesse

Status beim Menschen

  • ✔️ Bestandteil körpereigener Signalwege
  • ✔️ Hohe biologische Plausibilität
  • ✔️ Gute Sicherheitsnähe
  • ❌ Keine RCTs als Monotherapie

 

Saubere Einordnung:

 

KPV ist ein biologisch hochplausibles anti-entzündliches Peptid mit starker präklinischer Evidenz. Klinische Wirksamkeitsstudien beim Menschen stehen bislang aus.

Thymosin β4 (TB-500)

 

Zellmigration, Gewebeorganisation und Reparaturprozesse

 

Wofür Thymosin β4 bekannt ist

 

Thymosin β4 ist ein körpereigenes Peptid, das in nahezu allen Zellen vorkommt.

In der Forschung gilt es nicht als „Heilungspeptid“, sondern als Regulator von Reparaturprozessen, insbesondere dort, wo Zellen:

  • sich bewegen müssen
  • sich neu organisieren
  • strukturelle Schäden kompensieren

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Zellmigration & Wundheilung

In Zell- und Tiermodellen zeigte Thymosin β4:

  • eine signifikant gesteigerte Migration von Epithel- und Endothelzellen
  • schnellere Wundschließung durch koordinierte Zellbewegung
  • verbesserte Organisation des Aktin-Zytoskeletts, das für Zellform und Bewegung entscheidend ist

 

Konkret bedeutet das:

Zellen bewegten sich gerichteter, schneller und strukturierter in verletzte Areale.

 

Herz- und Gefäßmodelle

In Herzinfarkt-Tiermodellen wurde beobachtet:

  • reduzierte Narbenbildung
  • verbesserte strukturelle Integrität des Gewebes
  • günstigere Remodelling-Prozesse nach Ischämie

 

Nicht durch „Neubildung eines Herzens“, sondern durch Optimierung vorhandener Reparaturmechanismen.

Was das für den Menschen bedeuten

könnte

 

Sollten sich diese Mechanismen beim Menschen bestätigen, könnte Thymosin β4 perspektivisch relevant sein für:

  • Unterstützung von Wundheilungsprozessen
  • Modulation von Narbenbildung
  • strukturelle Regeneration nach Gewebeschäden

Status beim Menschen

  • ✔️ Endogenes Peptid
  • ✔️ Sehr starke präklinische Daten
  • ⚠️ Klinische Wirksamkeit nicht belegt
  • ❌ Nicht als Arzneimittel zugelassen

 

Saubere Einordnung:

 

Thymosin β4 beeinflusst nicht Heilung selbst, sondern die zellulären Voraussetzungen, unter denen Heilung effizienter ablaufen kann. Ob und wie sich das beim Menschen klinisch nutzen lässt, ist offen.

MOTS-c

 

Mitochondriale Signalpeptide & metabolische Anpassung

 

Wofür MOTS-c bekannt ist

 

MOTS-c gehört zu einer neuen Klasse sogenannter mitochondrialer Peptide, die direkt aus mitochondrialer DNA stammen.

Sie gelten als Signalstoffe, mit denen Mitochondrien systemisch auf metabolischen Stress reagieren.

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Stoffwechsel- und Insulinmodelle

In Mausmodellen zeigte MOTS-c:

  • verbesserte Insulinsensitivität
  • geringere Gewichtszunahme trotz hochkalorischer Ernährung
  • erhöhte Glukoseaufnahme in Muskelzellen

 

Teilweise wurde eine Verbesserung der Glukosetoleranz um ~20–30 % im Vergleich zu Kontrollgruppen berichtet.

 

Stress- und Alterungsmodelle

In präklinischen Studien war MOTS-c assoziiert mit:

  • erhöhter metabolischer Flexibilität
  • verbesserter Anpassung an kalorischen Stress
  • verlängerten Überlebenszeiten unter metabolischer Belastung

Was das für den Menschen bedeuten

könnte

 

Wenn diese Effekte übertragbar wären, könnte MOTS-c relevant sein für:

  • metabolische Gesundheit
  • altersassoziierte Insulinresistenz
  • mitochondriale Dysfunktion

Status beim Menschen

  • ✔️ Endogenes mitochondriales Peptid
  • ⚠️ Sehr begrenzte Human-Daten
  • ❌ Keine klinische Anwendung
  • ❌ Kein zugelassenes Arzneimittel

 

Saubere Einordnung:

 

MOTS-c ist eines der spannendsten Signalmoleküle der mitochondrialen Forschung, aber bislang primär ein Forschungswerkzeug – nicht mehr.

Epitalon (Epithalon)

 

Telomer-Regulation und zelluläre Alterungsprozesse

 

Wofür Epitalon bekannt ist

 

Epitalon stammt aus der russischen Gerontologie und wurde ursprünglich als Modulator der Telomeraseaktivität untersucht.

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Zellkulturmodelle

Epitalon:

  • aktivierte Telomerase in somatischen Zellen
  • führte zu verlängerter Teilungsfähigkeit bestimmter Zelllinien
  • verzögerte Seneszenzmarker

 

Tiermodelle

In Langzeitstudien an Nagetieren wurde berichtet:

  • verlängerte Lebensspanne
  • verzögerter altersbedingter Funktionsverlust

Was das für den Menschen bedeuten

könnte

 

Sollten sich diese Effekte sicher übertragen lassen, könnte Epitalon:

  • in der Altersforschung relevant werden
  • als Modellsubstanz für Telomer-Regulation dienen

Status beim Menschen

  • ⚠️ Sehr begrenzte Human-Daten
  • ❌ Keine westlichen RCTs
  • ❌ Keine Zulassung

 

Saubere Einordnung:

 

Epitalon ist wissenschaftlich interessant, aber klinisch nicht ausreichend geprüft, um Aussagen zur Sicherheit oder Wirksamkeit beim Menschen zu treffen.

DSIP (Delta Sleep Inducing Peptide)

 

Schlaf, Stressachsen und Neuroregulation

 

Wofür DSIP bekannt ist

 

DSIP wurde ursprünglich als schlafmodulierendes Peptid beschrieben, später aber breiter als Stress- und Neuroregulationspeptid eingeordnet.

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Schlaf- & Stressmodelle

In Tierstudien zeigte DSIP:

  • Veränderungen der Schlafarchitektur
  • reduzierte Stressreaktionen
  • Einfluss auf Cortisol-abhängige Achsen

 

Die Effekte waren jedoch:

  • individuell unterschiedlich
  • stark kontextabhängig

Was das für den Menschen bedeuten

könnte

 

Falls besser verstanden, könnte DSIP relevant sein für:

  • Stressadaptation
  • Schlafregulation
  • neuroendokrine Balance

Status beim Menschen

  • ⚠️ Uneinheitliche Datenlage
  • ❌ Keine klare klinische Evidenz

 

Saubere Einordnung:

 

DSIP zeigt, wie komplex neuroaktive Peptide sind – und wie wenig lineare Effekte im menschlichen Nervensystem zu erwarten sind.

 

GHK-Cu

 

Kupferpeptid, Geweberegeneration und Genexpression

 

Wofür GHK-Cu bekannt ist

 

GHK-Cu ist ein natürlich vorkommendes Kupfer-Peptid-Komplex, der seit Jahrzehnten in der Forschung untersucht wird.

Besonders interessant ist seine Fähigkeit, Genexpressionsmuster zu modulieren, die mit Reparatur, Entzündung und Alterung zusammenhängen.

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Haut- und Wundheilungsmodelle

In Zell- und Tierstudien zeigte GHK-Cu:

  • erhöhte Kollagen- und Elastinsynthese
  • verbesserte Angiogenese
  • schnellere Wundschließung

 

In bestimmten Modellen wurde eine signifikant beschleunigte Epithelisierung gegenüber Kontrollgruppen beschrieben.

 

Genexpressionsanalysen

GHK-Cu beeinflusste:

  • Hochregulation reparaturassoziierter Gene
  • Downregulation entzündungsfördernder Signalwege
  • Modulation von Matrix-abbauenden Enzymen

 

Diese Effekte wurden transkriptomisch nachvollzogen, nicht nur phänomenologisch.

Was das für den Menschen bedeuten 

könnte

 

Sollten sich diese Mechanismen bestätigen, könnte GHK-Cu relevant sein für:

  • Gewebeerneuerung
  • Hautintegrität
  • altersassoziierte Reparaturdefizite

Status beim Menschen

  • ✔️ Endogenes Peptid
  • ✔️ Gute Sicherheitsdaten bei topischer Anwendung
  • ⚠️ Systemische Effekte beim Menschen unklar

 

Saubere Einordnung:

 

GHK-Cu ist eines der besser verstandenen Peptide, bleibt aber systemisch klinisch unzureichend geprüft.

Selank

 

Neuroregulation, Angstmodulation und Entzündungsinteraktion

 

Wofür Selank bekannt ist

 

Selank ist ein synthetisches Peptid mit struktureller Nähe zu körpereigenen Neuropeptiden.

Es wurde primär im Kontext von Angstregulation und kognitiver Belastbarkeit untersucht.

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Tiermodelle für Angst und Stress

Selank zeigte:

  • anxiolytische Effekte ohne sedierende Wirkung
  • Modulation von GABA- und Serotonin-Systemen
  • Einfluss auf Stresshormon-Antworten

 

Im Vergleich zu klassischen Benzodiazepinen:

  • keine motorische Beeinträchtigung
  • keine Abhängigkeitseffekte in Tiermodellen

 

Immun- und Entzündungsinteraktion

Zusätzlich wurden:

  • entzündungsmodulierende Effekte
  • Veränderungen von Zytokinprofilen beschrieben

Was das für den Menschen bedeuten 

könnte

 

Falls sicher übertragbar, könnte Selank relevant sein für:

  • Stress- und Angstregulation
  • neuroimmunologische Balance
  • kognitive Stabilität unter Belastung

Status beim Menschen

  • ⚠️ Begrenzte Humanstudien (regional)
  • ❌ Keine westliche Zulassung

 

Saubere Einordnung:

 

Selank zeigt interessante neurobiologische Effekte, ist aber klinisch nicht ausreichend validiert.

Semax

 

Neuroprotektion, Plastizität und Stressresilienz

 

Wofür Semax bekannt ist

 

Semax ist ein synthetisches Peptid, abgeleitet von ACTH-Fragmenten, ohne hormonelle Wirkung.

Es wird als neuroprotektiver Modulator untersucht.

Was in Studien konkret beobachtet wurde

 

Neuroprotektive Modelle

In Schlaganfall- und Ischämiemodellen:

  • reduzierte neuronale Schäden
  • verbesserte funktionelle Erholung
  • Modulation neurotropher Faktoren (z. B. BDNF)

 

Kognitive Modelle

In Tierstudien:

  • verbesserte Lern- und Gedächtnisleistungen
  • erhöhte Stressresilienz

Was das für den Menschen bedeuten 

könnte

 

Sollten sich diese Effekte bestätigen, könnte Semax relevant sein für:

  • neuroprotektive Strategien
  • Rehabilitation nach neurologischen Ereignissen
  • Stressadaptation

Status beim Menschen

  • ⚠️ Regionale Humanstudien
  • ❌ Keine internationale Zulassung

 

Saubere Einordnung:

 

Semax ist neurobiologisch spannend, aber kein klinisch etabliertes Therapeutikum.

Zwischenbilanz – was diese Peptide gemeinsam zeigen

 

Alle diese Peptide zeigen keine direkten Wirkversprechen, sondern:

  • sie modulieren Signalwege
  • sie verändern Bedingungen
  • sie beeinflussen Systeme, nicht Symptome

 

Und genau deshalb sind sie:

  • wissenschaftlich hochinteressant
  • medizinisch hochsensibel
  • klinisch noch nicht reif

 

 

Warum viele Daten vielversprechend sind – und trotzdem nicht ausreichen

 

Die aktuelle Peptidforschung ist ohne Frage spannend.

Viele präklinische Ergebnisse zeigen klare biologische Effekte.

 

Aber genau hier liegt der kritische Punkt.

 

Vielversprechend ist nicht gleich bewiesen.

 

Die größten Herausforderungen liegen in der Übertragbarkeit:

  • Tiermodelle sind keine Menschen
  • Kurzzeitbeobachtungen sagen wenig über Langzeitfolgen
  • Isolierte Mechanismen verhalten sich im komplexen Organismus oft anders

 

Hinzu kommt, dass für die meisten Peptide noch belastbare Daten fehlen zu:

  • Sicherheit bei wiederholter Anwendung
  • möglichen Langzeitwirkungen
  • Wechselwirkungen mit anderen Systemen oder Substanzen

 

Aus medizinischer Sicht ist Zurückhaltung hier kein Pessimismus,

sondern wissenschaftliche Sorgfalt.

Ein kurzer rechtlicher Hinweis – ruhig und sachlich

 

Viele der derzeit diskutierten Peptide sind:

  • nicht als Arzneimittel zugelassen
  • rechtlich im Graubereich
  • nicht für die reguläre Anwendung am Menschen vorgesehen

 

Ich beschreibe sie hier nicht zur Anwendung.

 

Ich tue es, weil:

  • Menschen in der Praxis danach fragen
  • die Forschung real existiert
  • Aufklärung verantwortungsvoller ist als Schweigen

 

Ohne Moralisieren.

Ohne Werbung.

Ohne Aufforderung.

Wann Peptide

theoretisch

 interessant sein könnten – und wann nicht

 

Aus heutiger Sicht könnten Peptide theoretisch relevant werden bei:

  • akuten Verletzungsphasen
  • klar definierten entzündlichen Zuständen
  • präzisen medizinischen Fragestellungen mit engem Zeitfenster

 

Nicht sinnvoll erscheinen sie dagegen:

  • als Lifestyle-Tool
  • als Abkürzung zu Gesundheit
  • als Ersatz für Schlaf, Bewegung, Ernährung oder Stabilität

 

Je instabiler die Basis,

desto fragwürdiger jeder „biologische Shortcut“.

Warum ich mir mehr Humanforschung wünsche

 

Viele der beschriebenen Peptide verdienen:

  • saubere Humanstudien
  • klare Sicherheitsprofile
  • eine medizinische Einordnung jenseits von Biohacking-Foren

 

Was es aus meiner Sicht braucht, ist nicht mehr Selbstexperimentieren,

sondern:

  • strukturierte Forschung
  • ärztliche Beteiligung
  • Geduld statt Beschleunigung

 

Erst dann lässt sich seriös beurteilen,

ob und wo diese Substanzen einen Platz haben könnten.

Mein Abschluss: Offenheit statt Hype

 

Ich bin grundsätzlich offen für neue therapeutische Ansätze.

Gerade dann, wenn sie auf solider Biologie beruhen und nicht nur auf Trends.

 

Peptide gehören für mich genau in diesen Raum:

nicht als schnelle Lösung, sondern als spannendes Forschungsfeld mit echtem Potenzial.

 

Sie ersetzen keine Grundlagen –

aber sie müssen das auch nicht.

 

Wenn Ernährung, Bewegung, Schlaf und psychische Stabilität stimmen,

entsteht überhaupt erst der Raum, in dem zusätzliche Interventionen sinnvoll geprüft werden können.

 

Nicht aus Defizitdenken.

Sondern aus Stabilität, Neugier und Verantwortungsbewusstsein.

 

Was ich mir wünsche, ist kein Zurück zur alten Medizin –

sondern ein Vorwärtsgehen mit Maß:

 

mehr saubere Humanforschung

mehr ärztliche Begleitung

mehr Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und einer informierten Community

Also bei Fragen, lasst uns sprechen 🙂

Quellen

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