Warum Amalgam, Umwelt-Hg und Chelattherapie heute neu gedacht werden
Vielleicht bist du hier gelandet, weil du seit Jahren mit chronischen Beschwerden kämpfst – und bisher niemand dir eine wirklich stimmige Ursache erklären konnte.
Typische Beispiele:
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Erschöpfung, Brain Fog, Konzentrationsprobleme
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Muskel- und Gelenkschmerzen
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Magen-Darm-Probleme
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Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen
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Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Hormonverschiebungen
… während deine „normalen“ Blutuntersuchungen immer wieder unauffällig waren.
Vielleicht wurde bei dir bereits eine Chelat-Diagnostik gemacht und es zeigte sich eine erhöhte Quecksilberbelastung.
Vielleicht fragst du dich aber auch erst einmal:
„Kann Quecksilber – z. B. aus alten Amalgamfüllungen – wirklich so viel im Körper anrichten?
Und ist das nicht längst widerlegt?“
In diesem Artikel geht es darum:
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Woher Quecksilber heute kommt – vor allem durch Amalgam und Umweltquellen.
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Was Quecksilber in deinen Zellen tun kann – Mitochondrien, Gehirn, Gefäße, Immunsystem.
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Warum manche Menschen stark reagieren – andere fast gar nicht.
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Warum Beschwerden auch Jahre nach Amalgamentfernung weiterbestehen können.
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Wie eine ärztlich begleitete Chelattherapie grundsätzlich funktioniert – und warum Selbstversuche gefährlich sein können.
Ich arbeite seit mehreren Jahren mit Chelat-Diagnostik und -Therapie und orientiere mich dabei an den Leitlinien und Empfehlungen der Ärztlichen Gesellschaft für Metalltoxikologie.
Was du hier liest, verbindet wissenschaftliche Daten mit klinischer Erfahrung.
1. Amalgam und Minamata – warum Quecksilber im Mund heute anders bewertet wird
Über Jahrzehnte galt Dentalamalgam („Silberfüllung“) offiziell als unproblematisch. Heute sieht das deutlich differenzierter aus:
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Amalgam besteht zu etwa 50 % aus elementarem Quecksilber (Hg⁰).
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Aus diesen Füllungen wird kontinuierlich Quecksilberdampf freigesetzt – vor allem beim Kauen, Knirschen, heißer Nahrung, Polieren oder Bohren.
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Dieser Dampf wird über die Lunge aufgenommen, verteilt sich im Körper und kann in anorganische Formen (Hg²⁺) umgewandelt werden, die sich in Niere, Gehirn und anderen Organen ablagern.
Aktuelle Daten zeigen:
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Dentalamalgam ist eine der größten zivilen Quecksilberquellen weltweit (geschätzt ca. 340 Tonnen/Jahr).
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Quecksilber aus Amalgam gelangt in Abwasser, Klärschlamm, Böden und über Krematorien in die Atmosphäre.
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Die Minamata-Konvention der WHO zielt darauf ab, Quecksilber weltweit zu reduzieren. Viele Länder – inklusive der EU ab 2025 – fahren Amalgam systematisch herunter oder verbieten es für bestimmte Gruppen (Kinder, Schwangere) ganz.
Dazu kommt:
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Studien zeigen, dass Zahnärzt:innen und zahnmedizinisches Personal signifikant erhöhte Quecksilberspiegel in Blut, Urin und Haar haben – trotz moderner Absaugung.
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Metaanalysen berichten bei langjähriger beruflicher Exposition mehr neurokognitive Symptome (Gedächtnis, Konzentration) im Vergleich zur Normalbevölkerung.
Kurz gesagt:
Die jahrzehntelange Annahme, Amalgam sei praktisch harmlos, ist in dieser Form nicht mehr haltbar. Politische Entscheidungen gegen Amalgam basieren nicht auf „Esoterik“, sondern auf toxikologischen und umweltmedizinischen Daten.
2. Wie Quecksilber aus Füllungen in deinen Körper gelangt
Quecksilber liegt in verschiedenen chemischen Formen vor – elementar, anorganisch, organisch. Für Amalgam ist vor allem elementares Hg⁰ relevant.
2.1 Kontinuierliche Dampf-Freisetzung
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Aus Amalgamfüllungen entweicht Quecksilberdampf, der eingeatmet wird.
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In der Lunge passiert er die Alveolen und gelangt in den Blutkreislauf.
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Im Körper kann Hg⁰ in Hg²⁺ umgewandelt werden, das sich bevorzugt im Nervensystem und in der Niere ablagert.
Bestimmte Belastungen erhöhen die Freisetzung:
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Hitze und Reibung: Heißgetränke, Kauen, Knirschen, Polieren.
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Zahnärztliche Eingriffe: Bohren, Entfernen ohne Schutz.
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Elektromagnetische Felder: Studien deuten darauf hin, dass z. B. MRT, bestimmte Laser und Mobilfunkgeräte die Freisetzung aus Amalgam steigern können.
2.2 Biomarker unterschätzen oft die echte Belastung
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Quecksilber ist in Blut, Urin und Haar messbar.
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Toxikologische Reviews zeigen jedoch: Diese Werte unterschätzen häufig die Gewebebelastung, vor allem im Gehirn und in den Nieren.
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Autopsiestudien fanden deutlich höhere Hg-Konzentrationen im ZNS als in den zu Lebzeiten gemessenen Laborwerten.
Das bedeutet:
Ein „unauffälliger“ Blutwert schließt eine relevante Hg-Belastung nicht sicher aus – vor allem bei langjähriger, niedriger Exposition.
3. Warum nicht alle gleich reagieren – Genetik, Lebensstil und frühe Prägung
Vielleicht kennst du das:
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Du bist krank, erschöpft, hast zig Symptome.
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Ein Familienmitglied oder Kollege hatte ähnlich viele Amalgamfüllungen – und ist scheinbar „topfit“.
Viele folgern dann: „Wenn Amalgam wirklich so schlimm wäre, wären doch alle krank.“
So einfach ist es aber nicht.
3.1 Genetische Vulnerabilität
Studien zeigen:
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Bestimmte Genvarianten (z. B. im Glutathion-System, COMT, APOE) können die Empfindlichkeit gegenüber Quecksilber erhöhen.
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Kinder mit solchen Varianten reagieren in Studien deutlich sensibler auf Hg-Exposition durch Amalgam.
Das betrifft z. B.:
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Entgiftungsenzyme (Glutathion-S-Transferasen)
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Neurotransmitter-Abbau (COMT)
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Lipidtransport im Gehirn (APOE)
Ergebnis:
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Ein Teil der Menschen kann Quecksilber besser kompensieren.
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Andere geraten bei geringerer Belastung in einen Zustand aus Neurotoxizität, oxidativem Stress und Immunsystem-Dysbalance.
3.2 Pränatale und frühe Exposition
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Quecksilber kann die Plazenta und die Blut-Hirn-Schranke passieren.
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Studien deuten darauf hin, dass Kinder von Müttern mit vielen Amalgamfüllungen in der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsauffälligkeiten haben könnten.
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Auch hier geht es nicht um „Beweis für Alleinursache“, sondern um einen bedeutsamen Kofaktor.
3.3 Autoimmunerkrankungen – meine klinische Erfahrung
In meiner eigenen Praxis habe ich über die Jahre immer wieder ein auffälliges Muster gesehen:
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Patient:innen, bei denen Autoimmunerkrankungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis, Colitis ulcerosa, rheumatische Erkrankungen) im zeitlichen Zusammenhang mit Amalgam-Eingriffen auftraten –
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entweder nach dem Legen mehrerer Füllungen,
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oder im Jahr nach einer unsicheren Amalgamentfernung (ohne Schutzmaßnahmen).
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Das sind klinische Beobachtungen, keine randomisierten Studien. Sie beweisen nicht, dass Amalgam allein diese Autoimmunerkrankungen verursacht hat.
Aber:
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Aus toxikologischer Sicht wissen wir, dass Quecksilber Immunsystem und Barrieren (Darm, Blut-Hirn-Schranke) beeinflussen und oxidativen Stress, Mitochondrien-Schäden und Entzündung verstärken kann.
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In einem ohnehin belasteten System (Stress, Infektionen, andere Umweltgifte, genetische Veranlagung) kann Hg damit ein möglicher Trigger oder Verstärker sein, der den Übergang von „Disposition“ zu „manifestem Autoimmunprozess“ begünstigt.
Genau deshalb nehme ich solche zeitlichen Muster in der Anamnese sehr ernst – nicht als Beweis, sondern als wichtige Puzzleteile.
4. Was Quecksilber in deinen Zellen tun kann – Mitochondrien, Nerven, Gefäße
Neuere toxikologische Reviews zeigen sehr klar, wie Quecksilber in Zellen wirkt.
4.1 Bindung an Schwefelgruppen – Blockade der Schutzsysteme
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Quecksilber bindet mit hoher Affinität an Thiolggruppen (–SH), z. B. an Cystein und Glutathion.
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Dadurch können wichtige Enzyme blockiert werden, u. a.:
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Glutathion-abhängige Entgiftungssysteme
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Thioredoxin-Reduktase
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Mangan-Superoxiddismutase (Mn-SOD)
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Folge:
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Oxidativer Stress steigt stark an.
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Zellmembranen, Proteine und DNA werden vermehrt geschädigt.
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Zellen geraten in Apoptose (programmierten Zelltod).
4.2 Mitochondrien – Energiekrise von innen
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Mitochondrien sind deine Energie-Kraftwerke.
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Quecksilber kann:
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die Mitochondrienmembran strukturell schädigen (z. B. über Cardiolipin-Verschiebung und PLSCR3),
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die Atmungskette stören,
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die mitochondriale DNA (mtDNA) beschädigen und die Kopienzahl reduzieren.
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Mögliche Folgen im Alltag:
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chronische Müdigkeit und Belastungs-Crashs
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Muskelschwäche, Muskel- und Nervenschmerzen
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geringere Regenerationsfähigkeit nach Stress, Infekten oder Sport
4.3 Gehirn & Nervensystem – möglicher Kofaktor bei Neurodegeneration
Mehrere Arbeiten deuten darauf hin, dass Quecksilber ein Mitspieler bei neurodegenerativen Prozessen sein könnte:
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Hg akkumuliert im Zentralnervensystem und verursacht Mitochondrien-Fehlfunktion, oxidativen Stress und Autophagie-Störung.
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Autopsien zeigen teils höhere Hg-Konzentrationen in Gehirnarealen, die bei Alzheimer oder Parkinson betroffen sind.
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In einigen Studien fand man Hg-Ablagerungen gemeinsam mit Amyloid- oder α-Synuclein-Ablagerungen.
Wichtig:
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Diese Daten zeigen Zusammenhänge und biologische Plausibilität, aber keine einfache „1:1-Ursache“. Quecksilber ist wahrscheinlich ein Kofaktor unter vielen (Genetik, Ernährung, andere Metalle, Infektionen, Lebensstil).
4.4 Herz-Kreislauf-System & Stoffwechsel
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Langzeit-Exposition gegenüber Quecksilber wird mit Atherosklerose, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht.
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Mechanismen: oxidativer Stress, Endothelschäden (Gefäßinnenwand), Störung des NO-Haushalts.
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Hg kann auch rote Blutkörperchen beeinflussen und deren Membranfunktion stören – mit möglichen Folgen für Mikrozirkulation und Sauerstofftransport.
4.5 Immunsystem, Autoimmunität, Krebs
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Quecksilber kann das Immunsystem sowohl unterdrücken als auch fehlsteuern (je nach Dosis und Kontext).
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Reviews beschreiben Assoziationen zu Autoimmunerkrankungen, Fertilitätsstörungen und bestimmten Krebsarten, vor allem über:
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chronischen oxidativen Stress
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DNA-Schaden
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Störung der Reparaturmechanismen
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Auch hier: kein simpler Beweis, aber ein hohes toxikologisches Risiko-Profil.
4.6 Warum Beschwerden auch Jahre nach Amalgamentfernung bleiben können
Ein ganz wichtiger Punkt, der oft vergessen wird:
Nur weil die Füllungen weg sind, heißt das nicht, dass das Quecksilber weg ist.
Toxikologische Daten zeigen:
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Elementares Hg hat im Blut eine Halbwertszeit von über 50 Tagen,
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in Geweben wie Gehirn und Niere kann die Verweildauer deutlich über ein Jahr betragen,
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ein Teil der Hg-Last wird immer wieder zwischen Geweben, Blut und Ausscheidungswegen hin- und herverteilt.
Das bedeutet:
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Selbst wenn deine Amalgamfüllungen vor 10, 15 oder 20 Jahren entfernt wurden (damals oft ohne Schutz), kann ein Teil des Quecksilbers noch im Körper gespeichert sein – vor allem in Nervensystem, Niere, Bindegewebe und Mitochondrien.
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Entfernt man nur die Füllungen, stoppt man zwar die Zufuhr, aber die alte Last bleibt – sie kann weiter an Symptomen beteiligt sein.
Genau hier setzt eine zielgerichtete Chelattherapie an:
Sie soll – unter kontrollierten Bedingungen – gebundenes Quecksilber mobilisieren und über Niere/Darm ausleiten, statt es einfach weiter im System zirkulieren zu lassen.
5. Wie sich Quecksilberbelastung im Alltag zeigen kann – typische Muster
Bei Patient:innen, bei denen sich später eine relevante Quecksilberbelastung zeigt, sehe ich selten ein einziges Symptom – es ist fast immer ein Muster:
Energie & Nervensystem
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Chronische Müdigkeit, körperliche und mentale Erschöpfung
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Leistungseinbrüche nach relativ kleinen Belastungen
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Brain Fog, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
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innere Unruhe, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen
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Schlafstörungen, nächtliches Aufwachen, kein Erholungsschlaf
Muskeln & Gelenke
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diffuse Muskelschmerzen („alles tut weh“)
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wandernde Gelenk- und Sehnenschmerzen ohne klaren Rheumabefund
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Morgensteifigkeit, Krämpfe, Muskelzittern
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langsame Regeneration nach Sport
Darm & Entgiftung
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Blähungen, sichtbarer Blähbauch
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wechselnde Stühle (mal Verstopfung, mal Durchfall)
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Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die „plötzlich“ aufgetreten sind
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paradox: man reagiert auf eigentlich „gute“ Dinge (z. B. Antioxidantien, Infusionen, Darmaufbau) entweder sehr stark oder sogar mit Verschlechterung
Herz-Kreislauf & Vegetativum
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Herzstolpern, Herzrasen (bei unauffälliger Kardiologie)
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Blutdruckschwankungen, Schwindel, Kreislaufprobleme
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Temperaturdysregulation (Frieren, Hitzeattacken)
Psyche & Kognition
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depressive Symptome
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Angst, Panik, Gefühl von „innerer Bedrohung“
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das Erleben, „nicht mehr ganz man selbst zu sein“
Keines dieser Symptome beweist eine Quecksilbervergiftung.
Aber wenn:
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mehrere Systeme gleichzeitig betroffen sind,
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du eine Hg-Exposition (Amalgam, Beruf, Umwelt) hattest,
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Standarddiagnostik wenig erklärt und
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eine Chelat-Provokation einen auffälligen Hg-Befund zeigt,
dann ist es sinnvoll, Quecksilber als ernstzunehmendes Puzzleteil zu betrachten.
6. Diagnostik – warum wir mit Chelat-Infusion testen
Viele Patienten fragen mich:
„Warum reicht nicht einfach ein Blut- oder Urintest auf Quecksilber?
Warum braucht es eine Infusion, um die Belastung zu messen?“
Genau hier kommt das Konzept der Chelat-Diagnostik ins Spiel.
6.1 Was ist ein Chelat überhaupt?
Ein Chelat ist vereinfacht gesagt ein „Metallfänger“:
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Es handelt sich um ein Molekül, das Metalle wie Quecksilber (Hg²⁺) an mehreren Punkten gleichzeitig bindet – wie eine Zange oder ein „Klammergriff“.
-
Zu den bekanntesten Chelatbildnern gehören z. B. DMPS oder DMSA.
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Sobald ein Chelatbildner an ein Metallion gebunden hat, entsteht ein wasserlöslicher Komplex, der über Niere (Urin) und teilweise über Galle/Darm ausgeschieden werden kann.
Wichtig:
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Chelate lösen kein Amalgam aus den Zähnen heraus.
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Sie binden vor allem das Quecksilber, das sich bereits im Blut, im Extrazellraum und zum Teil in Geweben befindet – also die Last, die der Körper aktuell in Umlauf bringt oder mobilisieren kann.
6.2 Warum „normale“ Blut- und Urinwerte oft zu wenig sagen
Chronische Quecksilberbelastung ist heimtückisch:
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Ein großer Teil der Last sitzt nicht im Blut, sondern in Geweben (Nervensystem, Niere, Bindegewebe, Mitochondrien).
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Das Blut ist mehr eine Transportschiene, kein Speicherort.
Dadurch entstehen zwei Probleme:
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Spontan-Urin oder -Blut können relativ unauffällig sein,
obwohl in den Organen noch eine relevante Hg-Menge sitzt.
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Autopsiestudien zeigen: Die Hg-Konzentration im Gehirn und in der Niere kann deutlich höher sein als das, was zu Lebzeiten in Standardtests gemessen wurde.
Ein „normales“ Labor kann also zwei Dinge übersehen:
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eine verborgene Gewebebelastung
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eine verminderte Fähigkeit, Hg überhaupt noch auszuscheiden (das System ist „blockiert“)
6.3 Was macht die Chelat-Infusion anders?
Bei einer Chelat-Provokation gebe ich – in angepasster Dosis – einen Chelatbildner (z. B. DMPS) intravenös:
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Das Chelat erreicht den Blutkreislauf direkt und ist damit schnell im ganzen Körper verteilt.
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Es bindet einen Teil des mobilisierbaren Quecksilbers im Blut und Interstitium.
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Dieser Chelat-Metall-Komplex wird innerhalb von Stunden über den Urin ausgeschieden.
Danach wird der Urin im Labor auf Quecksilber und andere Metalle untersucht.
Das Ergebnis zeigt nicht die absolute Gesamtmenge im Körper, aber:
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wie viel Hg dein Körper unter Chelat-Einfluss freisetzen und ausscheiden kann,
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ob eine relevante mobilisierbare Last vorhanden ist,
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und wie dein System auf eine kontrollierte Mobilisation reagiert (Symptome, Verträglichkeit).
Man kann das als eine Art „Stresstest für das Entgiftungssystem“ verstehen – ähnlich wie beim Belastungs-EKG fürs Herz.
6.4 Wie eine Chelat-Testung bei mir abläuft
In meiner Praxis gehe ich dabei in mehreren Schritten vor:
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Anamnese & Basisdiagnostik
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Detaillierte Vorgeschichte (Amalgam, Beruf, Umwelt, Symptome, Autoimmunität etc.)
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Durchsicht vorhandener Befunde
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Basis-Labor (v. a. Nieren- und Leberwerte, Elektrolyte, Blutbild)
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Entscheidung, ob ein Chelat-Test sinnvoll & sicher ist
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Keine Provokation bei akuter Infektion, schweren Organerkrankungen oder Kontraindikationen.
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Bei Bedarf zunächst Stabilisierung (Darm, Elektrolyte, Hydrierung, Antioxidantien etc.).
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Chelat-Infusion (Provokationstest)
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Verabreichung eines Chelatbildners i.v. in individuell angepasster Dosis.
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Überwachung während und direkt nach der Infusion (Blutdruck, Kreislauf, Befinden).
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Urin-Sammlung und Laborauswertung
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Urin wird über einen definierten Zeitraum nach der Infusion gesammelt.
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Im Speziallabor werden Quecksilber und ggf. andere Metalle analysiert.
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Besprechung & Einordnung
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Wir schauen uns gemeinsam an:
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Wie hoch ist die mobilisierbare Belastung?
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Passt das zu deinen Symptomen und deiner Geschichte?
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Welche nächsten Schritte sind sinnvoll (Therapie, Reihenfolge, Tempo)?
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Ich arbeite dabei nach den Leitlinien und Empfehlungen der Ärztlichen Gesellschaft für Metalltoxikologie – sowohl was Dosierung als auch Sicherheitschecks und Verlaufs-Kontrollen betrifft.
6.5 Warum das kein Selbstexperiment sein sollte
Chelatbildner sind potente Medikamente, keine Detox-Tees:
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Sie binden nicht nur Schadstoffe, sondern auch wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente.
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Wenn zu viel Hg auf einmal mobilisiert wird, kann es zu Umverteilungsreaktionen kommen:
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grippeähnliche Symptome
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Kopfschmerz, Erschöpfung, neue Schmerzen
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Verschlechterung bestehender Beschwerden
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Deshalb gilt für mich ganz klar:
Chelat-Therapie und Chelat-Test gehören in ärztliche Hände – mit Labor, Monitoring und einem Plan, der zu deinem Körper passt.
In meiner Praxis kannst du sowohl die Chelat-Diagnostik (Provokationstest) als auch – falls sinnvoll – eine therapeutische Chelatbegleitung erhalten, eingebettet in ein ganzheitliches Regenerationskonzept (Darm, Nährstoffe, Nervensystem, Lebensstil).
6.6 Warum Zeolith, Chlorella & Co. nicht das Gleiche sind wie eine Chelat-Therapie
Viele Menschen kommen zu mir und sagen sinngemäß:
„Ich habe doch schon entgiftet – mit Zeolith, Chlorella, Bärlauch, Koriander, Heilerde …
Meine Heilpraktikerin hat Schwermetalle getestet und wir haben monatelang Bindemittel gemacht.“
Ich finde es grundsätzlich positiv, dass Heilpraktiker:innen und andere Therapeut:innen überhaupt an Schwermetalle denken und aktiv werden – gerade, weil das in der konventionellen Medizin oft noch ein blinder Fleck ist.
Gleichzeitig erlebe ich in der Praxis immer wieder ein Muster:
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Patient:innen haben über Monate oder Jahre mit Zeolith, Chlorella & Co. „detox“ gemacht.
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Sie glauben verständlicherweise: „Die Metalle sind jetzt raus.“
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Dann machen wir eine Chelat-Provokation mit Urin-Diagnostik –
und sehen trotzdem noch deutlich erhöhte Quecksilberwerte.
Das heißt nicht, dass Bindemittel „nichts bringen“.
Aber es zeigt sehr klar:
Bindemittel im Darm sind nicht dasselbe wie eine systemische Chelat-Therapie.
Was Bindemittel können:
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Zeolith, Aktivkohle, Chlorella & Co. binden vor allem das,
was im Darmlumen liegt – also Gifte, die über Galle, Nahrung oder Schleim dort landen.
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Sie können helfen, den enterohepatischen Kreislauf zu unterbrechen
(also die Rückresorption von Giftstoffen aus dem Darm).
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Sie sind oft ein wichtiger Baustein – gerade begleitend zur Chelat-Therapie.
Was sie in der Regel nicht leisten:
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Sie gelangen kaum in tiefere Gewebe,
z. B. Nervensystem, Niere, Bindegewebe, Mitochondrien.
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Sie bilden keine stabilen, wasserlöslichen Komplexe mit Quecksilber im Blutkreislauf,
so wie es klassische Chelate (DMPS, DMSA) tun.
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Sie ersetzen keine gezielte Mobilisation der Metalle aus den Gewebespeichern.
Dazu kommt ein struktureller Punkt:
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Heilpraktiker:innen dürfen in Deutschland in der Regel keine intravenösen Chelattherapien mit verschreibungspflichtigen Medikamenten durchführen.
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Also arbeiten sie mit dem, was rechtlich möglich ist: Bindemitteln, Pflanzenstoffen, Ernährung, Ausleitung über den Darm.
Das ist besser als gar nichts, aber:
In vielen der Fälle, die zu mir kommen, sehe ich:
Die „Detox-Kuren“ haben die Belastung im Gewebe nicht ausreichend reduziert.
Das zeigt sich, wenn wir mit einer Chelat-Infusion testen, wie viel Quecksilber der Körper noch mobilisieren und ausscheiden kann.
Genau deshalb betone ich gegenüber meinen Patient:innen:
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Bindemittel können ein sinnvoller Teil der Strategie sein –
vor allem zum Abfangen im Darm und zum Schutz vor Rückresorption.
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Aber wenn wir wirklich wissen wollen,
wie stark dein System noch mit Quecksilber belastet ist,
kommen wir um eine ärztlich begleitete Chelat-Diagnostik kaum herum.
In meiner Praxis kombiniere ich daher:
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Chelat-Provokation (nach den Empfehlungen der Ärztlichen Gesellschaft für Metalltoxikologie),
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Bindemittel im Darm,
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und eine ganzheitliche Stabilisierung (Darm, Nährstoffe, Antioxidantien, Nervensystem),
damit Entgiftung nicht nur „auf dem Papier“ gut aussieht,
sondern sich auch real in deinem Körper bemerkbar macht.
7. Therapie – wie eine medizinisch begleitete Chelattherapie aussehen kann
Jede Therapie ist individuell. Es gibt kein Schema F, das für alle passt. Dennoch gibt es klare Prinzipien.
7.1 Schritt 1: Exposition minimieren
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Amalgamsanierung nur in Zusammenarbeit mit erfahrenen, schutzorientiert arbeitenden Zahnärzt:innen
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Kofferdam, starke Absaugung, Kühlung
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Atemschutz für Patient:in und Team
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Weitere Quellen prüfen: berufliche Exposition, Wohnumfeld, alte Messgeräte, Lampen etc.
Ohne Reduktion der laufenden Exposition ist jede Chelattherapie wie „Putzen bei laufendem Wasserhahn“.
7.2 Schritt 2: System vorbereiten – bevor man stark mobilisiert
Bevor Chelate gegeben werden, stabilisiere ich:
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Darm: regelmäßiger Stuhlgang, Barriere stärken, entzündungsärmere Ernährung
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Leber & Niere: ausreichend Flüssigkeit, Proteine, Mikronährstoffe, ggf. Phytotherapie zur Leberentlastung
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Antioxidativer Schutz:
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experimentelle Studien zeigen, dass Curcumin, Polyphenole, NAC, Selen Hg-induzierte Zellschäden und oxidativen Stress abmildern können,
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beim Menschen heißt das: antioxidativ reiche Ernährung + ggf. gezielte Supplemente unter ärztlicher Aufsicht.
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7.3 Schritt 3: Chelattherapie – langsam, zyklisch, kontrolliert
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Einsatz von Chelatbildnern (z. B. DMPS, DMSA) in Zyklen mit Pausen
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regelmäßige Kontrolle von:
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Nieren- und Leberwerten
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Mineralstoffstatus (z. B. Zink, Kupfer, Selen)
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klinischen Symptomen (Energie, Schlaf, Schmerz, Stimmung)
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Ziel ist:
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die Hg-Last schrittweise zu verringern,
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ohne das System zu überfordern,
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und ohne vermeidbare Umverteilungskrisen.
7.4 Schritt 4: Lebensstil & Regeneration – die Basis, damit Entgiftung greift
Chelattherapie kann nur so gut sein wie dein Alltag:
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Ernährung: entzündungsärmer, viel Gemüse, Polyphenole, hochwertiges Protein; wenig Zucker, Alkohol, stark verarbeitete Produkte.
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Schlaf & Rhythmus: Schlaf als Haupt-„Detox-Fenster“ nutzen (Licht, Bildschirme, Abendroutine).
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Stress & Nervensystem: Nervensystem-Regulation (Atmung, Pausen, Trauma- und Stressarbeit), um die Daueraktivierung zu reduzieren.
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Bewegung: in der Dosis, die reguliert statt überfordert (Lymphe, Kreislauf, Mitochondrien).
8. Was du realistisch von einer Quecksilbertherapie erwarten kannst
Ehrlich formuliert:
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Eine reduzierte Hg-Last kann bei einem Teil der Betroffenen zu deutlicher Verbesserung von Energie, Klarheit, Stimmung, Schmerzen und Belastbarkeit führen.
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Je länger und intensiver die Belastung, je mehr andere Faktoren (Infektionen, Traumata, andere Umweltgifte, hormonelle Themen) dazukommen, desto komplexer und länger wird der Weg.
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Es gibt kein seriöses Versprechen, dass alle Symptome verschwinden – aber oft verändert sich die Grundlage, auf der andere Therapien überhaupt erst richtig wirken.
Ich sehe Quecksilber nicht als „Schuldigen für alles“, sondern als wichtigen Mitspieler, den man bei chronischen, therapierefraktären Beschwerden nicht ignorieren sollte.
9. Wenn du dich in diesem Text wiederfindest
Wenn bei dir bereits eine Chelat-Diagnostik eine erhöhte Quecksilberbelastung gezeigt hat – oder deine Geschichte stark in diese Richtung weist –, dann ist der wichtigste nächste Schritt:
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deine Gesamtgeschichte ernst zu nehmen (nicht nur Zahlen),
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Quecksilber als Puzzleteil im Kontext von Hormonen, Entzündung, Nährstoffen, Nervensystem und Lebensstil zu sehen,
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eine Therapie so zu planen, dass dein Körper sie tragen kann – strukturiert, nachvollziehbar, ohne Detox-Wahnsinn.
Genau dabei kann eine begleitete Chelattherapie – nach Leitlinien der Metalltoxikologie und eingebettet in eine ganzheitliche Regenerationsmedizin – ein sinnvoller Baustein sein.
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Systemische Effekte & Schutzfaktoren
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