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Viele Menschen, die zu mir kommen, haben eine ähnliche Geschichte:

  • Jahrelange Depression, Ängste oder PTBS – trotz verschiedener Medikamente und Therapieversuche.

  • Therapieresistente Depression: 2, 3 oder mehr Antidepressiva ausprobiert, oft auch Psychotherapie – ohne wirklich stabile Besserung.

  • Vielleicht sogar Suizidgedanken, Hoffnungslosigkeit, das Gefühl: „Ich habe schon alles versucht.“

Gleichzeitig kursiert da draußen ein ganz anderes Bild von Ketamin:

  • als Narkosemittel im OP

  • oder als Partydroge „Special K“, die dissoziative Zustände auslöst

Zwischen diesen beiden Extremen liegt ein Bereich, über den noch viel zu wenig differenziert gesprochen wird:

👉 Ketamin-assistierte Therapie – also die medizinisch kontrollierte Anwendung von Ketamin in subanästhetischer Dosierung, kombiniert mit psychotherapeutischer Begleitung und Integration.

Genau darum geht es in diesem Beitrag:

  • Was die Wissenschaft heute über Ketamin bei Depression, Suizidalität, PTBS und therapieresistenten Verläufen weiß

  • Warum das Ganze off-label ist – aber trotzdem auf einer wachsenden Studienbasis beruht

  • Wie sich eine Ketamin-Session in einem therapeutischen Setting deutlich von „Party-Ketamin“ unterscheidet

  • Und warum ich Ketamin nie als „Wundermittel“, sondern als biologischen Türöffner für innere Prozesse einsetze – eingebettet in einen ganzheitlichen Ansatz mit Lebensstil, Nährstoffen, Entzündung & Nervensystem


Ketamin – kurz erklärt: vom Narkosemittel zur Krisenmedizin

Ketamin ist seit Jahrzehnten als Anästhetikum bekannt. In hoher Dosierung wird es im OP, in der Notfallmedizin und bei bestimmten Schmerzsyndromen eingesetzt.

Spannend – und für viele Menschen lebensverändernd – wurde es, als Studien zeigten:

In viel niedrigeren Dosen (typisch 0,5 mg/kg i.v.) kann Ketamin depressive Symptome und Suizidgedanken innerhalb von Stunden bis Tagen lindern – bei Patient:innen, bei denen klassische Antidepressiva teilweise jahrelang wenig oder gar nicht geholfen hatten.

Diese sogenannten subanästhetischen Dosen führen nicht zu einer Vollnarkose, sondern zu einem veränderten Bewusstseinszustand – der:

  • einerseits neurobiologische Prozesse anstößt

  • und andererseits psychologisch nutzbar ist, wenn man ihn in einem sicheren, begleiteten Rahmen („Set & Setting“) nutzt.

Wichtig ist hier:

  • Die antidepressive Wirkung von Ketamin ist inzwischen in vielen Studien reproduziert worden – vor allem bei therapieresistenter unipolarer Depression, aber auch bei bipolarer Depression und PTBS.

  • Gleichzeitig ist Ketamin kein offiziell zugelassenes Antidepressivum in i.v.-Form (in Deutschland ist z. B. intranasales Esketamin unter engen Bedingungen zugelassen).

  • Die Anwendung von i.v.-Ketamin bei Depression & PTBS ist daher rechtlich ein off-label use – das heißt: medizinisch zulässig, aber außerhalb der Zulassungsindikation und mit entsprechender ärztlicher Aufklärung und Verantwortung.


Was sagt die Wissenschaft? – Ein Blick in die Studien (ohne Hype)

Statt Versprechungen schauen wir nüchtern in die Daten, die wir aktuell (2023–2025) haben.

1. Ketamin bei therapieresistenter Depression (unipolar)

Mehrere systematische Reviews und Metaanalysen haben die Studienlage zusammengefasst:

  • Rodolico et al., 2024:

    Ein Überblick über 26 systematische Reviews und 44 randomisierte Studien mit insgesamt 3.316 Teilnehmenden.

    Ergebnis in Kurzform:

    • Ketamin (i.v., i.m., intranasal) zeigte in der Mehrheit der RCTs signifikante antidepressive Effekte.

    • Das Sicherheitsprofil wurde insgesamt als akzeptabel bewertet, Abbruchraten waren nicht dramatisch erhöht.

    • Aber: Die evidenz war heterogen, viele Einzelstudien mit kleinen Stichproben und unterschiedlichen Protokollen.

  • Pena et al., 2024:

    Fokus auf unipolare therapieresistente Depression und i.v.-Ketamin.

    • Übliche Dosis in den Studien: 0,5 mg/kg i.v. als Einzeldosis oder Serien.

    • Antidepressive und antisuizidale Effekte waren teils schon nach 30–40 Minuten messbar, hielten häufig 3–7 Tage an.

    • Nebenwirkungen: meist vorübergehend (z. B. Blutdruckanstieg, Schwindel, Dissoziation); ernsthafte Komplikationen selten.

    • Die methodische Qualität der Reviews wurde kritisch bewertet – wir haben also robuste Kurzzeiteffekte, aber begrenzte Langzeitdaten.

  • Yavi et al., 2022:

    Review zur Ketamintherapie bei Depression.

    • Bestätigt, dass subanästhetische Dosen (0,5 mg/kg) deutliche antidepressive Effekte haben können.

    • Nebenwirkungen: vor allem psychotomimetische Symptome (Dissoziation, veränderte Wahrnehmung), sympathomimetische Effekte (z. B. Puls- und Blutdruckanstieg), Übelkeit, Schwindel – meist transient, klingen i. d. R. innerhalb von Stunden ab.

  • Shiroma et al., 2020:

    Randomisierte Studie zu einmaliger vs. mehrfacher Ketamin-Infusion bei therapieresistenter Depression.

    • Sechs Infusionen über 12 Tage führten zu stärkeren antidepressiven Effekten als eine Einzeldosis oder Midazolam (aktive Kontrolle).

    • Rückfallzeit wurde verlängert (z. B. ~6 Wochen vs. ~2 Wochen), aber die langfristige Überlegenheit war statistisch begrenzt.

    • Wichtige Botschaft: Serien können sinnvoll sein – aber ketamin alleine ist selten eine Dauerlösung, sondern eher ein „Fensteröffner“.

  • Nikolin et al., 2023:

    Meta-Analyse, die u. a. darauf hinweist, dass racemisches i.v.-Ketamin (also das „klassische“ Ketamin) in manchen Analysen stärkere Wirkungen zeigte als Esketamin und dass höhere Dosen mit höheren Response-Raten korrelierten – bei gleichzeitig sorgfältiger Überwachung.

Zwischenfazit Depression:

  • In vielen Studien erreichen ~50–60 % der Patient:innen eine klinisch relevante Response (≥ 50 % Symptomreduktion) – teils innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen.

  • Die Effekte sind häufig kurzfristig – ohne weitere Maßnahmen kann ein Teil der Wirkung nach Tagen bis Wochen wieder abflachen.

  • Ketamin ist damit kein Ersatz für jede andere Therapie, aber eine schnell wirkende Option, gerade bei starker Suizidalität oder langer Therapieresistenz – vorausgesetzt, es wird verantwortungsvoll eingesetzt.


2. Ketamin bei bipolarer Depression

Viele Jahre war man sehr vorsichtig: „Ketamin bei bipolar – macht das nicht manisch?“

  • Bahji & Zarate, 2021 haben die Datenlage systematisch ausgewertet:

    • 6 Studien, 135 Patient:innen mit bipolarer Depression.

    • Alle erhielten 0,5 mg/kg i.v. Ketamin zusätzlich zu einem Stimmungsstabilisierer.

    • Response-Rate: im Schnitt 61 % unter Ketamin vs. 5 % unter Placebo.

    • Response-Spanne je Studie: 52–80 %.

    • Nebenwirkungen: meist gut toleriert; in einigen Fällen vorübergehende Dissoziation; in zwei Fällen trat eine Manie auf (einmal unter Ketamin, einmal unter Placebo).

Das bedeutet:

  • Es gibt erste konsolidierte Evidenz, dass i.v.-Ketamin auch bei bipolarer Depression wirksam sein kann – aber die Datenbasis ist kleiner als bei unipolarer Depression.

  • Die Kombination mit einem Stimmungsstabilisierer ist entscheidend, um das Risiko für Phasenwechsel zu begrenzen.

  • Gerade bei bipolarer Erkrankung braucht es eine sehr sorgfältige Indikationsstellung & Aufklärung.


3. Ketamin bei PTBS & Trauma

Auch bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) hat sich in den letzten Jahren viel getan:

  • Almeida et al., 2024:

    Real-world-Daten zu i.v.-Ketamin bei PTBS.

    • Zeigen relevante Symptomreduktionen, besonders wenn Ketamin mit Psychotherapie kombiniert wurde.

    • Wichtig: Es handelt sich um Alltagsdaten, nicht nur streng kontrollierte Studien – also näher an dem, was in Praxen tatsächlich passiert.

  • Borgogna et al., 2024:

    Systematischer Review und Meta-Analyse zu Ketamin bei PTBS.

    • Ergebnis: Es gibt therapeutische Vorteile, aber die Studien sind heterogen und haben methodische Schwächen.

    • Ehrliche Botschaft: Ketamin ist ein vielversprechendes Werkzeug, aber kein „belegtes Allheilmittel“ für PTBS.

  • „Combining Ketamine Infusions and Written Exposure Therapy“, 2025:

    Offene Studie, in der i.v.-Ketamin mit standardisierter Expositionstherapie (WET) kombiniert wurde.

    • Resultat: Kombination war wirksam und gut tolerierbar – ein Hinweis darauf, dass Ketamin als „Türöffner“ für psychotherapeutische Arbeit dienen kann.

  • Barbara et al., 2024:

    Update zu Ketamin bei therapieresistenter Depression und PTBS.

    • Unterstreicht: Kurzfristige Verbesserungen (Depression & Suizidalität) sind gut belegt.

    • Langfristige Effekte, optimale Protokolle und Kosten-Nutzen sind noch nicht abschließend geklärt.

Zwischenfazit PTBS:

  • Ketamin kann bei PTBS kurzfristig Symptome senken und den Zugang zur Traumaverarbeitung erleichtern.

  • Die Kombination mit Psychotherapie scheint in mehreren Arbeiten sinnvoll zu sein.

  • Die Evidenz ist wachsend, aber noch nicht so robust wie bei Depression – entsprechend wichtig ist ein transparenter, ehrlicher Umgang mit Chancen und Grenzen.


4. Ketamin + Psychotherapie (KAP) – warum Integration so wichtig ist

Viele Studien untersuchen Ketamin als Monotherapie. Zunehmend rückt aber die Frage in den Fokus:

Was passiert, wenn man Ketamin gezielt mit Psychotherapie kombiniert?

  • Drozdz et al., 2022 (systematische narrative Review zu Ketamin-assistierter Psychotherapie):

    • Einige Studien deuten darauf hin, dass Ketamin + Psychotherapie nachhaltigere und tiefere Verbesserungen bringen können als Ketamin alleine.

    • Protokolle waren sehr unterschiedlich (Timing, Form der Psychotherapie, Dosis), Stichproben meist klein – aber die Richtung ist klar: Integration scheint einen Unterschied zu machen.

  • Sakopoulos & Todman, 2025:

    • Retrospektive Auswertung von Patient:innen mit therapieresistenter Depression, die entweder nur Ketamin oder Ketamin + wöchentliche Psychotherapie erhielten.

    • Beide Gruppen verbesserten sich – aber die Kombination mit Psychotherapie zeigte tendenziell stärkere und stabilere Effekte (gemessen u. a. mit dem Beck Depression Inventory).

  • Gomes et al., 2025 (Systematischer Review zu KAP bei TRD):

    • Fasst Daten zu Ketamin-assistierter Psychotherapie zusammen.

    • Botschaft: KAP ist ein vielversprechendes Konzept, evidenzmäßig aber noch im Aufbau – Protokolle und Settings sind bisher heterogen.

Für die Praxis bedeutet das:

  • Ketamin kann wie ein „biologischer Türöffner“ wirken:

    • Es kann festgefahrene Muster kurzzeitig aufweichen.

    • Es kann Distanz zu alten Geschichten und Gefühlen schaffen – oder Zugang dazu ermöglichen.

  • Ohne Integration besteht das Risiko, dass dieser Zustand verpufft – oder sogar verunsichert.

  • Mit vorbereitender und nachbereitender Psychotherapie kann die Ketamin-Erfahrung in konkrete Veränderungen im Alltag übersetzt werden:

    • neue Perspektiven

    • andere Beziehung zu Gefühlen

    • mehr Handlungsspielraum


5. Sicherheit und Nebenwirkungen – ohne Verharmlosung

So beeindruckend die Effekte von Ketamin sein können – genauso wichtig ist ein nüchterner Blick auf Risiken.

  • Guo et al., 2025 (Meta-Analyse zur Sicherheit):

    • Ketamin erhöhte im Vergleich zu Placebo signifikant das Risiko für Nebenwirkungen:

      • Schwindel: ca. 18,8 %

      • Dissoziation: ca. 18,0 %

      • Übelkeit: ca. 13,3 %

      • dazu Angstgefühle, Benommenheit, Sehstörungen, vegetative Symptome.

    • Diese Nebenwirkungen waren typischerweise vorübergehend – aber klar häufiger als unter Placebo.

    • Fazit: Ketamin ist nicht risikofrei – Transparenz und Monitoring sind Pflicht.

  • In mehreren Reviews (u. a. Pena 2024, Bahji 2021, Yavi 2022) wurde betont:

    • Ernsthafte Ereignisse (z. B. starke Blutdruckabfälle oder relevante Rhythmusstörungen) sind selten, wenn Ketamin in einem medizinisch kontrollierten Setting mit Monitoring eingesetzt wird.

    • Subanästhetische Dosen reduzieren das Risiko im Vergleich zu Narkosedosen deutlich – aber sie eliminieren es nicht.

Zusätzlich wichtig:

  • Ketamin kann dissoziative Zustände auslösen – das kann für manche Menschen heilend, für andere beängstigend sein.

  • Es gibt Missbrauchspotenzial, vor allem im Party-Setting und bei unkontrolliertem, häufigem Konsum.

  • Bei bestimmten Vorerkrankungen (z. B. unbehandeltem Bluthochdruck, bestimmten Herzproblemen, Psychosen, gewissen Suchterkrankungen) ist besondere Vorsicht oder ein Ausschluss nötig.

Daher gilt für mich:

  • Ketamin gehört nicht in den Selbstversuch, nicht ins Wohnzimmer und nicht in den Club, wenn man von Behandlung spricht.

  • Es gehört in ein medizinisches Setting mit Monitoring, sorgfältiger Anamnese und einer echten therapeutischen Beziehung – sonst wird aus einem potenten Werkzeug schnell ein Risiko.


6. Und wo passt das in meinen Ansatz?

Ich nutze Ketamin nicht als „letzte magische Spritze“, sondern:

  • als Teil eines Gesamtbildes, das immer auch Dinge wie:

    • Entzündung

    • Nährstoffstatus

    • Darm & Immunsystem

    • Lebensstil (Schlaf, Bewegung, Stress, Beziehungen)

    • Nervensystem-Regulation

      mit einbezieht.

Denn:

  • Depression, PTBS und chronische Erschöpfung sind nie nur Gehirnchemie.

  • Sie können (und das ist wissenschaftlich gut belegt) mit entzündlichen Prozessen, hormonellen Themen, Stoffwechselstörungen, Nährstoffmängeln und Umweltfaktoren verflochten sein.

  • Ketamin kann in diesem Geflecht wie ein Reset-Impuls auf der Ebene des Nervensystems wirken – aber die eigentlichen Lebenskonstellationen, Muster und Körperthemen bleiben bestehen, wenn man sie nicht aktiv mit bearbeitet.

Genau hier knüpfe ich an – im nächsten Teil geht es darum:

  • Wie eine Ketamin-Session in meiner Praxis konkret abläuft

  • Warum Set & Setting (Augenmaske, Musik, binaurale Beats mit Vibration) so wichtig sind

  • Und wie sich therapeutische Ketamin-Erfahrungen von „Special K“ auf Partys grundlegend unterscheiden

 

Wie sich eine Ketamin-Session anfühlen kann – Setting, Musik, innere Reise

Wenn Menschen „Ketamin“ hören, denken viele zuerst an:

  • OP-Saal

  • oder „Special K“ im Club

Therapeutische Ketamin-Infusionen haben damit nur wenig zu tun.

Hier geht es nicht um Betäubung und auch nicht um Eskapismus,

sondern um einen bewusst gestalteten inneren Prozess – medizinisch überwacht, psychologisch begleitet.

Vorbereitung: Wir klären zuerst, ob Ketamin zu dir passt

Bevor überhaupt eine Infusion in Frage kommt, steht bei mir:

  • eine ausführliche Anamnese (körperlich, psychisch, biografisch)

  • eine ganzheitliche Diagnostik (z. B. Blutbild, Schilddrüse, Entzündung, Nährstoffe, ggf. Herz-Kreislauf)

  • und eine klare Indikationsbesprechung:

Wir schauen gemeinsam:

  • Welche Diagnosen stehen im Raum?

  • Welche Therapien hast du schon gemacht (Medikamente, Psychotherapie, Klinikaufenthalte)?

  • Wo steckst du fest?

  • Welche Rolle spielen Schlaf, Ernährung, Stress, Beziehungen, Umweltfaktoren (z. B. Toxine, Schimmel)?

  • Gibt es Kontraindikationen (z. B. Psychose, unbehandelter Bluthochdruck, bestimmte Herzerkrankungen)?

Erst wenn deutlich wird, dass Ketamin sinnvoll sein könnte – als Baustein in einem Gesamtplan – und du gut aufgeklärt bist, ob Chancen und Grenzen für dich passen, planen wir eine Session.

Set & Setting: Warum Augenmaske, Musik und 1:1-Begleitung?

Eine Ketamin-Session bei mir läuft ungefähr so:

  • Du kommst in einen ruhigen, geschützten Raum – keine grellen Lichter, kein Praxis-Stress.

  • Du bekommst eine Augenmaske, damit äußere Reize reduziert werden und du leichter nach innen schauen kannst.

  • Über Kopfhörer (und ggf. vibrierende Unterlage) läuft gezielt ausgewählte Musik – oft mit binauralen Beats.

Binaurale Beats sind leicht unterschiedliche Töne auf dem rechten und linken Ohr, aus denen das Gehirn eine Art „Schwebeton“ konstruiert. Sie können – vorsichtig formuliert – zustandsmodulierend wirken: je nach Frequenzbereich eher beruhigend, fokussierend oder introspektionsfördernd. Die Evidenz ist hier noch begrenzt, aber viele Menschen berichten subjektiv:

  • leichter in einen meditativen Zustand zu kommen

  • weniger an äußere Reize „gebunden“ zu sein

  • tiefer mit der eigenen Gefühls- und Körperwahrnehmung verbunden zu sein

Begleitend bin ich oder eine dafür geschulte Person die ganze Zeit 1:1 bei dir:

  • medizinisch: Überwachung von Kreislauf, Bewusstsein, Sicherheit

  • psychologisch: Halt, wenn schwierige Gefühle auftauchen, Erinnerung daran, dass alles, was hochkommt, „durch dich durch darf“, ohne dich zu überrollen

Du bist nicht „allein auf Trip“, sondern begleitet in einem geführten Prozess.

Was macht Ketamin mit dem Erleben? – ein Bild zur Erklärung

Neurobiologisch wirkt Ketamin u. a. über:

  • Blockade von NMDA-Rezeptoren

  • eine nachfolgende Steigerung von Glutamat an anderen Stellen

  • Veränderungen in Netzwerken, die mit Selbstwahrnehmung, Grübeln und Schmerzverarbeitung zu tun haben

Vereinfacht und bildlich erkläre ich es oft so:

  • Das „Denkhirn“ (die Regionen, die ständig analysieren, bewerten, zweifeln, Grübelschleifen drehen) wird ein Stück leiser.

  • Die Gefühls- und Körperwelt tritt klarer in den Vordergrund.

  • Manche Menschen erleben Bilder, innere Szenen, Erinnerungsfragmente oder Körperempfindungen, die sonst ständig von Gedanken überlagert werden.

Das kann sich anfühlen wie:

  • ein Zoom-out: Du siehst deine Lebenssituation von außen, mit etwas mehr Abstand.

  • oder ein Zoom-in: Du spürst deine Gefühle deutlicher – aber mit dem Gefühl, sie betrachten zu können, statt von ihnen verschluckt zu werden.

  • bei manchen auch wie eine Begegnung mit sehr alten Themen: Scham, Schuld, Trauer, Wut, die bislang „gefaltet“ im System lagen.

Wichtig:

  • Ketamin ist kein Wahrheitsserum.

  • Es zeigt dir keine „objektive Realität“, sondern öffnet eine andere Perspektive auf deine innere Welt.

  • Genau deshalb ist die Integration danach so wichtig.


Therapeutische Ketamin-Erfahrung vs. Party-Ketamin – was wirklich anders ist

Weil viele Ketamin aus der Partyszene kennen, ist mir eine klare Abgrenzung wichtig.

Party-Ketamin

  • meist unbekannte Qualität und Dosierung

  • häufig Kombination mit Alkohol oder anderen Substanzen

  • chaotisches Setting (Lärm, Licht, Überstimulation, Schlafentzug)

  • keine medizinische Überwachung

  • keine psychotherapeutische Integration – im Gegenteil: eher Flucht aus dem Erleben

Das erhöht das Risiko für:

  • Unfälle, Kontrollverlust

  • psychische Destabilisierung

  • körperliche Komplikationen

  • Entwicklung von Missbrauchsmustern

Ketamin-Infusion in meiner Praxis

  • medizinische Qualität der Substanz, klare Dosierung

  • subanästhetische Dosis (typisch 0,5 mg/kg i.v., ggf. individuell angepasst)

  • Monitoring (Blutdruck, Puls, klinischer Eindruck)

  • Vorbereitungsgespräch, Setting-Gestaltung, 1:1-Begleitung

  • Integration in den Tagen danach – z. B. mit psychotherapeutischer Unterstützung

Das Ziel ist hier nicht:

„Wegballern, damit man nichts mehr fühlt.“

Sondern:

„Einen geschützten Raum öffnen, in dem sich etwas zeigen und verändern darf – im Nervensystem, im Erleben, in der Sicht auf das eigene Leben.“


Für wen Ketamin-assistierte Therapie in Frage kommen

kann

– und für wen eher nicht

Ketamin ist kein Allround-Mittel für jede Krise – und gleichzeitig ein wichtiges Werkzeug für bestimmte Situationen.

Mögliche Einsatzbereiche (immer individuell abgewogen)

Aus der Studienlage und klinischen Erfahrung kommen u. a. folgende Situationen in Frage:

  • Therapieresistente unipolare Depression (TRD)

    • Mehrere Antidepressiva und Psychotherapien ohne ausreichenden Erfolg

    • anhaltende schwere Symptome, Gefühl „festzustecken“

    • hier zeigen die Metaanalysen (u. a. Rodolico 2024, Pena 2024, Yavi 2022) die besten Evidenzen.

  • Bipolare Depression

    • depressive Episoden trotz Stimmungsstabilisierer

    • bestimmte Studien (Bahji & Zarate 2021) zeigen relevante Response-Raten unter i.v.-Ketamin

    • hier ist eine sehr sorgfältige Abstimmung mit der Stimmungsstabilisierung wichtig, um manische Entgleisung zu vermeiden.

  • PTBS und Traumafolgestörungen

    • anhaltende Flashbacks, Intrusionen, Hyperarousal, dissoziative Symptome

    • Studien (z. B. Almeida 2024, Borgogna 2024, Kombinationen mit Expositionstherapie) deuten an, dass Ketamin hier Symptome reduzieren und Zugang zur Verarbeitung erleichtern kann – besonders in Kombination mit Psychotherapie.

  • Schwere Krisensituationen mit Suizidalität

    • Wenn jemand akut stark suizidal ist und bisherige Behandlung nicht ausreichend greift, kann Ketamin – analog zu den in den Reviews beschriebenen antisuizidalen Effekten – eine zeitlich begrenzte Entlastung schaffen, in der wieder Spielraum für weitere Schritte entsteht.

    • Das ersetzt nicht Krisenintervention oder Klinik, kann aber ergänzend eingesetzt werden, wenn Rahmen und Sicherheit das zulassen.

  • „Therapielähmung“ in länger laufenden psychotherapeutischen Prozessen

    • Wenn kognitiv alles verstanden ist, aber emotional „nichts in Bewegung kommt“

    • Ketamin kann hier die Starre im System lockern – mit dem Ziel, dass danach psychotherapeutische Arbeit tiefer greifen kann (wie es u. a. in KAP-Reviews beschrieben wird).

Grenzen und Situationen, in denen Ketamin eher

nicht

passt

Es gibt Konstellationen, in denen Ketamin entweder kontraindiziert oder nur mit größter Vorsicht denkbar ist, z. B.:

  • akute Psychose, unbehandelte schwere Manie

  • bestimmte schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • unkontrollierter Bluthochdruck

  • bestimmte Formen von Substanzabhängigkeit (Insbesondere bei aktuellem Ketamin-Missbrauch oder massiv instabiler Suchtproblematik)

  • Schwangerschaft, Stillzeit (hier fehlen sichere Daten)

  • fehlender stabiler Rahmen (z. B. hochgradig instabile Wohn-/Beziehungssituation, in der Integration kaum möglich wäre)

Zudem gibt es auch wissenschaftlich Hinweise, dass Ketamin nicht in allen Settings wirkt:

  • Eine Studie (Jelovac 2025) fand z. B. bei stationär behandelten depressiven Patient:innen keinen klaren Vorteil einer Serie von Ketamin-Infusionen gegenüber einer Serie mit Midazolam.

  • Das zeigt: Setting, Auswahl der Patient:innen, Begleitung und Kontext sind entscheidend – Ketamin ist nicht „automatisch“ wirksam.


Warum ich Ketamin nie isoliert sehe – Entzündung, Nährstoffe, Lebensstil & Nervensystem

Depression, PTBS und Erschöpfung sind keine reinen „Serotonin-Probleme“. Studien der letzten Jahre zeigen immer deutlicher:

  • niedriggradige Entzündungen

  • veränderte Darmbarriere & Mikrobiom

  • Nährstoffmängel (z. B. B-Vitamine, Vitamin D, Eisen, Magnesium)

  • Hormonachsen (Schilddrüse, Stresshormone, Sexualhormone)

  • Schlafmangel, Übererregung des Nervensystems, toxische Belastungen

können alle dazu beitragen, dass das System in einem Zustand von Antriebslosigkeit, Erschöpfung, Schmerz und emotionaler Starre hängen bleibt.

Darum gehört für mich zur Ketamin-assistierten Therapie immer auch:

  • Stoffwechsel-Analyse & Stress-Analyse

    • z. B. per BIA (Bioimpedanz-Analyse) als Blick auf Zellenergie, Körperzusammensetzung, Phasenwinkel

    • HRV-Messung (Herzratenvariabilität) als Indikator, wie dein autonomes Nervensystem taktet (Dauer-Alarm vs. Regeneration)

  • Laborbasierte Abklärung von Nährstoffen & Entzündung, z. B. (je nach Fall):

    • Vitamin D, B12/Folat, Homocystein

    • Eisenstatus, Ferritin

    • hsCRP/CRP, ggf. weitere Entzündungsmarker

    • Schilddrüsenparameter, ggf. Sexualhormone

  • Lebensstil-Pfeiler, die ich nicht als „Bonus“, sondern als therapeutische Achsen sehe:

    • Schlafrhythmus & Licht

    • Ernährung, die Entzündung eher dämpft als befeuert

    • Bewegung in einer Dosis, die dein System verkraften und integrieren kann

    • Nervensystem-Regulation (Atem, Pausen, Grenzen, Körperübungen)

    • Beziehung & Sinn

Ketamin kann dann wie ein Katalysator wirken:

  • Es öffnet Fenster, in denen Veränderung leichter möglich ist.

  • Die Lebensstil- und Körperarbeit sorgt dafür, dass diese Veränderungen stabilisiert werden können.


Wie eine Zusammenarbeit konkret aussehen kann

Zum Schluss ein Überblick, wie ein möglicher Weg mit Ketamin-assistierter Therapie bei mir strukturiert aussieht – immer individuell angepasst, aber orientiert an einigen Fixpunkten.

1. Orientierungsgespräch

  • Kurzes, strukturiertes Gespräch (online oder vor Ort)

  • Ziel:

    • Passt deine Fragestellung grundsätzlich in den Rahmen meiner Arbeit?

    • Könnte Ketamin ein sinnvoller Baustein sein – oder eher nicht?

    • Welche Alternativen gäbe es?

Hier geht es noch nicht um eine Therapieentscheidung, sondern um Klarheit & Passung.

2. Ausführliche Anamnese & Diagnostik

Wenn wir beide merken, dass eine nähere Abklärung Sinn ergibt:

  • Vertiefte Anamnese (biografisch, psychisch, körperlich, Lebensstil, Umwelt)

  • Körperliche Untersuchung (inkl. Herz-Kreislauf, ggf. neurologische Elemente)

  • Labor & Funktionstests nach Bedarf:

    • Basislabore

    • Nährstoffstatus

    • Entzündungsmarker

    • ggf. Schilddrüse, Hormone

    • BIA, HRV

    • und – falls relevant – Umwelt- & Toxinfragen (z. B. Schimmel als Co-Faktor)

Am Ende dieses Schrittes steht kein „Ketamin-Entscheidungszwang“.

Manchmal zeigt sich auch: Es braucht zuerst andere Schritte (z. B. Schilddrüse einstellen, Schimmelthema angehen, Schlafrhythmus stabilisieren), bevor Psychedelik-ähnliche Interventionen Sinn machen.

3. Entscheidungsphase & Vorbereitung

Wenn Ketamin grundsätzlich in Frage kommt:

  • Aufklärung über off-label use, Studiendaten, Chancen und Grenzen

  • Besprechung von Kontraindikationen & Risiken

  • Gemeinsame Festlegung von:

    • Zielrichtung der Behandlung („Womit möchtest du in die Session gehen?“)

    • Anzahl & Rhythmus der Infusionen (z. B. Einzelsession vs. Serie)

    • psychotherapeutischer Begleitung / Integration (z. B. Zusammenarbeit mit deiner Therapeutin / deinem Therapeuten oder in einem eigenen Rahmen)

Hier ist mir besonders wichtig:

  • keine Heilsversprechen

  • keine „Wir probieren einfach mal irgendwas“-Mentalität

  • sondern ein klarer, transparenter Behandlungsvertrag, den du verstehst und mitträgst.

4. Die Session selbst – gehaltene innere Reise

Am Tag der Session:

  • Ankommen, kurzes Check-in, ggf. kleine Atemübung

  • ggf. nochmal Fokussierung: „Mit welcher Frage / welcher inneren Haltung gehst du hinein?“

  • Venöser Zugang, Monitoring, Start der Infusion

  • Augenmaske, Musik / binaurale Beats mit Körperschwingung

  • 1:1-Begleitung die ganze Zeit, medizinisch & menschlich

Die Erfahrung dauert in der Regel:

  • akute Wirkphase: ca. 30–60 Minuten

  • Nachklingen: weitere 30–60 Minuten, je nach Person

Danach:

  • Zeit im Raum, um wieder anzukommen

  • erste Worte für das Erlebte zu finden – oder bewusst zunächst im Körpergefühl zu bleiben

  • Klärung, wie du sicher nach Hause kommst (du fährst nach so einer Session nicht selbst Auto).

5. Integration & Nachsorge

In den Tagen danach folgt:

  • Integrationsgespräch: Was hast du erlebt? Welche Muster sind dir aufgefallen? Was bedeutet das für dein Leben, deine Beziehungen, deinen Alltag?

  • Wenn du einen Psychotherapeutin hast, kann dieses Erleben dort eingebettet werden.

  • Bei Bedarf planen wir weitere Sessions – immer mit Blick auf:

    • Wirkung

    • Nebenwirkungen

    • Alltagsintegration

    • und die ganzheitlichen Baustellen (Entzündung, Nährstoffe, Schlaf, Beziehung, Umwelt).

Parallel können – je nach Befund – auch andere Bausteine laufen:

  • Optimierung von Nährstoffen

  • Darm- und Entzündungsarbeit

  • Kälte- oder Wärmereize in richtiger Dosis

  • Schlaf- und Bewegungsstruktur

  • Umgang mit Stress, Grenzen, Selbstfürsorge

Was du von mir erwarten kannst – und was nicht

Was du erwarten kannst:

  • Dass dein Erleben ernst genommen wird – gerade dann, wenn du schon viele Therapien hinter dir hast.

  • Dass ich offen sage, wo Ketamin Chancen bietet und wo die Datenlage begrenzt ist.

  • Dass Ketamin bei mir nie isoliert, sondern immer im Kontext deines ganzen Systems gedacht wird.

  • Dass du bei einer Session nicht „allein gelassen“ wirst – weder medizinisch noch emotional.

Was ich nicht verspreche:

  • Keine Wunderheilung durch eine einzige Infusion.

  • Kein „Reset-Knopf“, der alle Themen löscht.

  • Keine „one size fits all“-Protokolle.

  • Keine Verharmlosung von Risiken.

Mein Ziel ist, dass du:

  • verstehst, was wir tun – und warum

  • mehr Einfluss auf dein eigenes System bekommst

  • und die Möglichkeit hast, Ketamin als Werkzeug zu nutzen – eingebettet in einen Weg, auf dem du Stück für Stück wieder mehr Luft, Kraft und Sinn erlebst.


Wenn du das Gefühl hast, dass Ketamin-assistierte Therapie für dich ein Baustein sein könnte –

oder du einfach besser verstehen möchtest, ob und wie so etwas in deiner Situation Sinn macht –

kannst du ein erstes Orientierungsgespräch vereinbaren (vor Ort in Berlin oder online).

Wir klären dann gemeinsam:

  • ob Ketamin in deiner Geschichte überhaupt plausibel ist

  • welche Schritte davor wichtig wären

  • und ob eine Zusammenarbeit – medizinisch, menschlich und praktisch – für dich passt.

Quellen

Bahji A, Zarate C. Ketamine for Bipolar Depression: A Systematic Review. 2021. doi:10.1093/ijnp/pyab023

Rodolico A, et al. Efficacy and safety of ketamine and esketamine for unipolar and bipolar depression: an overview of systematic reviews with meta-analysis. Frontiers in Psychiatry. 2024;13:1325399. doi:10.3389/fpsyt.2024.1325399

Pena A, Zonzini A, Bonetti L. Efficacy and safety of ketamine for unipolar refractory depression: an overview of systematic reviews. Rev Bras Farm Hosp Serv Saude. 2024;15(4):1122. doi:10.30968/rbfhss.2024.154.1122

Nikolin S, et al. Ketamine for the treatment of major depression. 2023. (Meta-Analyse; Volltext via ScienceDirect verfügbar.)

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